Zwei Stunden Webkonferenz
Es gibt Neuigkeiten: Die Flüge nach McMurdo sollen wieder aufgenommen werden, doch der Zeitplant ist komplett hinüber. Auf dem Weg zur Südpolstation gibt es nun eine mindestens fünftägige Quarantäne in McMurdo und zwei weitere Tage in Christchurch vor Abflug in die Antarktis. Also netto mindestens eine Woche mehr Reisezeit. Dominique und Yucheng, unsere beiden amerikanischen Kollegen, die mit uns zum Süpol reisen, unsere Koordinatorin Sheryl und Christopher und ich sitzen zwei Stunden in einer Webkonferenz, wobei das Wort Konferenz trifft es nicht so ganz bei allen. Sheryl kann nur per Email mit uns kommunizieren, da die Internetverbindung in die Antarktis für Webkonferenzen zu langsam ist. Es ist schon ein wenig surreal. Wir vier in den USA und Deutschland diskutieren miteinander und schreiben zusammen eine E-Mail an Sheryl. Dann müssen wir ein paar Minuten auf die Antwort warten, und während wir warten diskutieren wir und malen uns aus was Sheryl wohl antworten könnte. Konkret geht es um die Frage, wie und wann wir noch diese Saison zum Süpol kommen um das Lidar aufzubauen. Es gibt wieder einen vorläufigen Flugplan, aber manche Flüge sind schon mit Personen, welche für den Stationsbetrieb benötigt werden, ausgebucht. Andere wiederum passen zeitlich nicht. Wir entscheiden uns dafür uns aufzuteilen um somit die Chancen für uns als Gruppe zu erhöhen.
E-Mail an Sheryl:
Die Flüge, die Du gestern uns nanntest, sind die nun alle voll?
Ist es möglich einen Flug für zwei Personen zu bekommen und zwei
weitere Plätze für einen späteren Flug zu reservieren. Was wären
die Optionen?
Wir diskutieren darüber, wie viele Flüge der erzwungenen Pause zum Opfer fallen würden und ob noch alle der ursprünglich geplanten Wissenschaftsprojekte durchgeführt werden würden.
Sheryl:
Es gibt keine Plätze für den Flug nach Süden am 28. Dezember (er
ist tatsächlich überbucht), alle müssten entweder Anfang Dezember
oder Anfang Januar reisen.
Ein Lichtblick. Dezember scheidet jedoch schnell aus, da der für diesen Sommer (auf der Südhalbkugel ist momentan Sommer) eingeplante Elektriker kurzfristig ausgefallen ist. So gibt es im Moment niemanden vor Ort, der uns den für das Lidar benötigten Stromanschluss installieren könnte. Wir diskutieren weiter Möglichkeiten und machen uns Hoffnung, dass vielleicht noch rechtzeitig ein Elektriker gefunden werden könnte. Doch Sheryl drängt uns zu einer schnellen Entscheidung „die Plätze werden schnell vergeben, wie ihr euch vorstellen könnt“. Ja, können wir. Jeder Wissenschaftler versucht zurzeit sein Projekt irgendwie zu retten. Christopher und ich entscheiden uns für Januar, denn ohne Elektriker können wir nicht viel ausrichten. Dominique und Yucheng zögern noch, sie wollen später fliegen. Aber mir ist das zu knapp vor Ende der Saison. Sollte es mit dem Aufbau und der Inbetriebnahme zu Verzögerungen kommen, müssten wir womöglich abreisen, ohne unsere Arbeit am Pol vollendet zu haben.
E-Mail an Sheryl:
OK, sieht so aus als hätten wir damit genügend Tage am Südpol.
Bitte reserviere uns die Flüge am 4. Januar und 6. Februar.
Als ich diese Zeilen abschicke, hoffe ich einen passenden Flug nach Christchurch zu bekommen und erinnere mich an die Frau vom Reisebüro: „Weihnachten, wissen Sie, alle Leute wollen nach Australien und Neuseeland.“ Nun denn, jetzt oder nie. Die Antarktisflüge sind wichtiger. Sollten die Flüge nach Christchurch ausgebucht sein, gibt es eben doch Weihnachten in Neuseeland (und eine halbe Familie zu Hause). Oder Markus (unser Direktor) spendiert uns vielleicht einen überteuerten Flug in der Business Class…
Sheryl:
Erledigt.
Puh.